Ein Blick gen Himmel durchs „Gerippte“

Am Sonntag weiht Bischof Georg Bätzing die neue Kirche St. Johannes in Goldstein. Pfarrer Werner Portugall und Gemeindereferentin Christine Sauerborn-Heuser verraten vorab, was es in dem neuen Gotteshaus Besonderes zu entdecken gibt.

A. Zegelman / Bistum Limburg

Draußen herrscht noch Baustellenatmosphäre: In der Mittagshitze sind Arbeiter gerade dabei, den Platz vor dem Eingang mit dunkelgrauen Steinen zu pflastern. Ein Bagger häuft Erde auf, an anderer Stelle werden Gräben mit Sand zugeschüttet, eine Plastikbarke liegt etwas verloren am Rand. Und auch eine Sitzbank fehlt noch.
Rund um die neu gebaute Erlebniskirche St. Johannes wird derzeit auf Hochtouren gearbeitet. Denn am Sonntag ist Kirchweih. „Wir hoffen, dass bis dahin noch einiges im Außenbereich fertig wird“, sagt Werner Portugall, Pfarrer von St. Jakobus.
Doch auch wenn draußen noch gepflastert wird – drinnen, am Herzstück des Neubaus, der Kirche, sind die Arbeiten längst abgeschlossen. Stolz führen Portugall und Gemeindereferentin Christine Sauerborn-Heuser durch das helle, moderne Gotteshaus, das von Königs Architekten aus Köln entworfen wurde. So viele Besonderheiten, so viele Geschichten mit Bedeutung gibt es hier zu entdecken. Wie den Altar aus Stampfbeton mit Kies und Erden aus Italien, in den bereits im September 2020 Kostbarkeiten und Erinnerungsstücke aus der Gemeinde eingelegt wurden. Oder den „schwebenden“ Tabernakel von Goldschmied Markus Engert aus Würzburg: vorne vergoldet und mit einem großen quadratischen Bergkristall in der Mitte. Oder das wunderbare goldene Kreuz, das schon in der Vorgängerkirche aus den 1970er Jahren hing – und das nun in moderner Umgebung noch einmal ganz anders wirkt. Oder das von zwei Seiten mit Matthäus 11 bedruckte Fenster, das auf einen kleinen Binnengarten hinaus geht, in dem vor der Weihe noch Palmen gepflanzt werden. Oder das über allem schwebenden Dach mit Rauten aus Holz, Aluminium und Glas, das den Blick gen Himmel öffnet – und das Portugall und Sauerborn-Heuser augenzwinkernd als „Frankforderisch gerippt“ bezeichnen. Oder, oder, oder. Zur Feier der Eröffnung hat die Pfarrei auch eine Sonderausgabe des Magazins „21km2“ herausgegeben, in der es Beschreibungen zu weiteren Schätzen und Besonderheiten gibt.


Die Kirche passt sich ihrer Nutzung an
Genauso neu wie die Kirche ist auch das Gemeindeleben, das darin stattfinden soll. Denn Abriss und Erneuerung haben auch eine inhaltliche Findungsphase angestoßen. Dazu gehört, neue Formate auszuprobieren, neue Themen stattfinden zu lassen – und nicht „das alte Programm in neuen Wänden zu spielen“, wie Pfarrer Portugall es formuliert. Mit anderen Worten: Weg vom klassischen Gottesdienstkonzept im starren Gewand, hin zu mehr Lebensnähe und moderner Flexibilität. So hat man sich zum Beispiel bewusst gegen eine Orgel entschieden und stattdessen lieber eine gute Musikanlage installiert, schließlich soll hier künftig regelmäßig eine Band den Gottesdienst begleiten. Und auch die flexible Bestuhlung ist bewusst gewählt, Sitzbänke in Reih und Glied sucht man in St. Johannes vergeblich. Die Idee einer „prinzipiell leeren Kirche“, die nur nach Bedarf bestuhlt wird und sich den Bedürfnissen ihrer jeweiligen Nutzung anpasst, finden Pfarrer Portugall und Christine Sauerborn-Heuser spannend, auch wenn sie noch weiter durchdacht werden muss.


Turbulente Bauzeit
Portugall, Sauerborn-Heuser und das ehrenamtliche Leitungsteam sind froh, dass die Bauphase mit der Kirchweih am Sonntag offiziell beendet ist. Denn die Pfarrei hat seit Beginn des Projekts und erst recht in den vergangenen zweieinhalb Jahren seit der Grundsteinlegung am 16. März 2019 immer wieder Rückschläge beim Bau erlebt: Pandemie, steigende Preise, wechselnde Ansprechpartner, Lieferschwierigkeiten beim Material, Erkrankung von Handwerkern …
Dazu gehört auch, dass die Kosten, die sich seit Beginn ohnehin schon verdoppelt hatten, in den vergangenen Monaten noch einmal stiegen. 5,6 Millionen Euro hat das Neubauprojekt am Ende nun gekostet, 600.000 Euro brachte die Pfarrei selbst auf, unter anderem durch die Veräußerung eines Grundstücksteils mit Abrissgebäude sowie den Verkauf von Orgel und Stühlen an eine Gemeinde in Nizza.
Höhere Kosten, längere Bauzeit
Das alles führte nicht nur zu höheren Kosten, sondern auch einer zeitlichen Verzögerung. Gerne hätte man die neue Kirche bereits 2019 bezogen. Stattdessen feierte die Gemeinde nun fast vier Jahre lang in der evangelischen Dankeskirche ihren Gottesdienst, wich auch mal ins Gerätehaus der Feuerwehr Schwanheim aus oder traf sich in Privathäusern oder im Garten. Alles schön und ungewöhnlich – und doch freuen Verantwortliche und Gemeinde sich nach der langen Zeit nun auf die Rückkehr zur Normalität in den eigenen vier Wänden.


Ein Gefühl von Heimat
Besonders schon findet Pfarrer Portugall, dass die neue Kirche offenbar schon vor der offiziellen Weihe bei so manchen Goldsteinern ein Gefühl von Heimat auslöst. „Wir haben vor kurzem den Außenbereich bepflanzt, und zu der Aktion haben sich auch junge Paare gemeldet, die mir gesagt haben, dass sie hier vielleicht irgendwann heiraten möchten“, berichtet er.


60 Gäste sind zur Weihefeier am Sonntag um 17 Uhr nach St. Johannes geladen. 199 Menschen können den Gottesdienst auf dem Platz hinter dem Gemeindehaus beim Public Viewing verfolgen, hierfür gibt es noch Plätze (Anmeldung online oder im Zentralen Pfarrbüro). Außerdem wird der Gottesdienst live auf YouTube gestreamt.

Herausgegeben von der Katholischen Stadtkirche Frankfurt Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Domplatz 3, 60311 Frankfurt