"Mit Fried und Freud..."

Neujahrskonzert des Kirchenchors

Katholischer Kirchenchor erfüllte die Herzen

Perfekter Rahmen 
Pünktlich um 19.00 Uhr begrüßte Pfarrer Werner Portugall die Anwesenden in der katholischen Kirche St. Mauritius in Schwanheim zum Konzert des Kirchenchors St.Mauritius – St.Johannes. Während er sprach, läuteten die Glocken als wollten sie die Unschlüssigen draußen noch zum Besuch dieses Ereignisses aufmuntern. Waren doch wohl einige Menschen von den ungünstigen Wettervorhersagen mit Eisregen und Blitzeis vom Besuch abgehalten worden. Trotzdem konnte der Pfarrer geschätzte 200 Freunde der Chormusik begrüßen, die sich in dem schönen Schwanheimer Gotteshaus so geschickt verteilten, dass es nahezu gefüllt erschien. 
Weihnachtlich illuminiert mit Christbäumen und Lichtern auf den Kirchenbänken bot die Kirche einen perfekten Rahmen für das, was kommen sollte. 

Starker Chor singt Konzert unter anderer Leitung...
In seinen Worten machte Pfarrer Portugall auf zwei Besonderheiten aufmerksam. Einmal wächst der Kirchenchor entgegen dem Trend des großen Chorsterbens im Lande. Mit derzeit 50 Aktiven hat er eine Stärke erreicht, von der so mancher gestandener Traditionsverein träumt. Die zweite Besonderheit war, dass dieses Konzert nicht wie gewohnt von Sabina Vogel dirigiert wurde. Sie hatte es selbst zusammengestellt und bis Anfang Januar mit dem Chor einstudiert. Zwei Tage vor dessen Präsentation ist ihr ein großes Glück beschert worden: sie wurde Mutter  der kleinen Johanna! Dennoch musste die Chorleiterqualität nicht leiden. Am Dirigentenpult stand mit Stephanie Muhl nicht nur eine Sangesschwester von Sabina aus dem Bolongaro Sextett, sondern auch eine ausgezeichnete wie qualifizierte Musikerin, die jederzeit den gestellten Anforderungen gewachsen war und gleichzeitig diesem Konzert einen eigenen Stempel aufdrückte, ohne den von Sabina Vogel hergestellten Charakter zu verändern.
Da die Chemie zwischen ihr und dem Chor auf Anhieb stimmte, gelang es ihm, Stephanie Muhls eigene Interpretationen in kürzester Zeit umzusetzen. Liebevoll nannte ein Sänger sie die „Königin der Fermaten“.

"Mit Fried und Freud fahr ich dahin..."
Pfarrer Portugall sprach aber auch vom Thema dieses Konzertes: „Mit Fried und Freud fahr ich dahin…“. In der Bibel wird die Geschichte vom alten Simeon erzählt, der Gott darum bat, solange leben zu dürfen, bis er den Heiland gesehen hat. Gott erhörte dieses Gebet und Simeon durfte das Jesuskind sehen. Dann konnte er in „Fried und Freud dahinfahren“ - also sterben. 
Entsprechend ergab sich die Intention dieses Konzertes: Das Wunder des neuen Lebens, das Licht und Hoffnung in die Dunkelheit bringt, mit Werken verschiedener Epochen und Stilen zu beleuchten. War es ein Zufall, dass gerade mal zwei Tage vor dem Konzert die Chorleiterin mit einem Mädchen niederkam, und somit dem „Wunder des neuen Lebens“ eine aktuelle Dimension gab?

Werke unterschiedlicher Epochen
Die unterschiedlichen Werke und Epochen konnte der Zuhörer erleben mit Stücken wie „Komm göttliches Licht“ (Kommunität Grandchamp 1985), dem Kanon „Starre nicht“ (Bernhard Huijbers) oder Folksongs wie „This Little Light Of Mine“ (arr. Neil A. Johnson) und „Nearer, My God, to Thee“, (19.Jahrhundert). Adventliche Klänge beim „Stimmet Hosianna an“ (17.Jhdt.) und den zeitgenössischen „Gottes Stern leuchte uns“ sowie „Behutsam leise nimmst du fort“ sollte den Zuhörer noch einmal in eine besinnliche und ruhige Stimmung versetzen. Mit Chören wie dem „Magnifikat“ (Josef Swider/LK 1, 46-55), „Prope est Dominus“ (Carl Czerny 1791-1857), dem dreiteiligen „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ (Michael Praetorius und J.S. Bach) und dem gregorianischen „Ubi caritas“ von Ola Gjeilo, konnte der Chor wieder einmal zeigen, dass er anspruchsvolle Musik machen kann. Mögliche Kritik des Eigenlobs wird an dieser Stelle bewusst in Kauf genommen. Gegen Ende nahm der Chor das Thema noch einmal auf. Mit Werken von Albert Becker „Herr, nun lässest Du Deinen Diener in Frieden fahren“ und Johannes Brahms (Text: Martin Luther) „Mit Fried und Freud ich fahr dahin“, bezog er sich auf das erwähnte Simeonsevangelium. 

Einfühlsame Begleitung
Aber es war nicht allein der Chor, der hier etwas geboten hatte, sondern auch die beiden an der Geige, Stefan Weber und Katharina Sommer, sowie der Bratschist Gabriel Heun, auch bekannt vom Bolongaro Sextett, und die Cellistin Julia Ottersbach. Das Quartett begleitete den Chor einfühlsam und unterstrich das festliche Ambiente ausdrucksvoll. Die beiden Lektoren Andrea Deutschmann und Joachim Ponseck umrahmten die dargebotenen Stücke mit Texten u.a. aus dem Alten Testament.Der Chor verabschiedete sich mit dem Friedensgruß „Schalom“, den er im Kanon beim Auszug aus der Kirche überbrachte.

Neujahrsempfang
Im Anschluss an dieses Konzert versammelten sich die Sänger, Musiker und die, die die Einladung dazu angenommen hatten, zu einem gemütlichen Neujahrsempfang. Selbstgemachte Salate und eingekauftes Brot und Fleisch sorgten für die Stillung des Hungers, Getränke aller Art für die des Durstes. Der Vorsitzende Kurt Schneeweis bedankte sich beim Chor für den gelungenen Gesang, bei den Streichern für die musikalische Begleitung und natürlich bei Stephanie Muhl, die dieses Konzert liebenswert und gleichzeitig professionell über die Bühne gebracht hatte. Sie Ihrerseits machte den Sängerinnen und Sängern glaubhaft, dass es ihr Spaß gemacht habe und sie sich auf weitere gemeinsame Aktivitäten freue. Man hörte das gerne.

CD`s zur Erinnerung
Dann gab es eine Runde Sekt, die die frischgebackenen Großeltern, Walter und Ute Ponseck, schmissen. Während der eine oder andere noch speiste, führte Wolfgang Merkel einen Film vor, in dem das passive Mitglied Rolf Stockmann vom Vereinsausflug im Jahre 2015 berichtete und erzählte. Wolfgang Merkel hat sich klammheimlich zum Haus- und Hoftechniker des Kirchenchors gemausert. Wieder stellte er sich und sein Equipment zur Verfügung, um der Nachwelt eine akustische und optische Erinnerung an dieses Konzert zu erhalten. Seine von ihm selbst erstellten CDs werden ihm förmlich aus den Händen gerissen. 

Im Laufe des Abends machten sich die Anstrengung der letzten Wochen bemerkbar: die Anspannung fiel ab und nach der anfänglichen Euphorie über das schöne Konzert machte sich allenthalben Müdigkeit und Erschöpfung breit. Und noch bevor der große Eisregen einsetzen konnte, waren die meisten bereits auf dem Heimweg.
(Alexander Safran)

 

alle Fotos: Wolfgang Merkel